Unter der Leitung des Komponisten Rafael Marino Arcaro bringen die Sopranistin Hannah Dienes-Williams und das Ensemble Utak ein außergewöhnliches Konzert nach Deutschland, das vollständig aus Uraufführungen besteht und ein Jahrhundert lateinamerikanischer Musik zwischen 1927 und 2026 umspannt. Werke aus Brasilien, Chile, Peru, Kuba und Mexiko verbinden frühen Modernismus mit zeitgenössischen Stimmen in einer generationenübergreifenden kulturellen Begegnung.
Zwei Liederzyklen der brasilianischen Komponistin Dinorá de Carvalho (1895–1980), neu arrangiert für Sopran und Ensemble, verfolgen ihre Entwicklung vom Modernismus hin zu einer markant individuellen atonalen Sprache. Die Lieder von A. García Caturla (1906–1940) entstanden nach seinem Studium bei Nadia Boulanger in Paris und sind geprägt von rhythmischer Vitalität und kühner Harmonik im Zeichen des Afrokubanismus. Carlos Chávez’ Invention III (1967) für Soloharfe bietet einen eleganten Einblick in eine geheimnisvolle Welt. Neuere Werke des chilenischen Komponisten Tomás Brantmayer und der peruanischen Komponistin Sofía Alvarez setzen diese Linie in die Gegenwart fort: Brantmayer greift auf Melodien der indigenen Yaghan-Gemeinschaft zurück, während Alvarez die Resonanz des Klangs selbst erforscht – eine zeitgenössische Neubetrachtung des Mantra-Gedankens. Im Zentrum steht die Uraufführung von ‚what i learned from manoel de barros: / o que aprendi com manoel de barros:’, Marino Arcaros Vertonung von Manoel de Barros’ Gedichtband aus dem Jahr 1998. Dieses neue Werk verwandelt die Sprache des Dichters – geprägt von Fragilität – in eine kühne vokale Klanglandschaft und macht die stilleren ländlichen Regionen Brasiliens erfahrbar.
o-ton Köln