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Jugend meets Klassik

Bach Verein
Oper „Die Mädchen von Theresienstadt“ – Bach-VereinKöln

Der in Bonn lebende englische Komponist David Graham hat eine Oper geschrieben, die von Jugendlichen für Jugendliche gespielt wurde. Das Konzept der Jugendoper sieht eine Einbindung des jugendlichen Publikums in Form von Interaktion während der Aufführung vor und richtet sich besonders an Schulklassen ab dem 7. Schuljahr.

 


Kölner Stadtanzeiger
, 09.02.2010

Von Marianne Kierspel

Ehrenfeld – Im Arkadas-Theater leitete Thomas Neuhoff erstmals in Köln „Die Mädchen von Theresienstadt“. Diese Jugendoper über das NS-Lager (heute Tschechien) komponierte der Bonner David Graham 2009 für junge Spieler und junge Hörer. Das Libretto der Regisseurin Kerstin Baldauf folgt Brenner-Wonschiks Buch „Die Mädchen von Zimmer 28“. In diesem Zimmer, eng, überfüllt, mit Stockbetten spielt die ganze Oper.

 

Den Anstoß für das Auftragswerk des Philharmonischen Chors Bonn gab dessen Leiter Neuhoff, der zwei Frauen aus dem Lager kennen gelernt hat. Neuhoff hat nun sein junges, von nur wenigen Profis gestütztes Ensemble gut und sicher vorbereitet. 18 Schüler aus dem Köln-Bonner Raum und der Jugendchor der Bonner Lukaskirche spielten und sangen hoch konzentriert. Ihr klarer rhythmischer Sprechgesang imponierte, die anrührend zarten Kinderstimmen passten zu den hilflosen Mädchen mit dem Judenstern. Die jungen Darsteller und die jungen Bühnenmusiker haben ihre Sache gut gemacht, das honorierten die ganz überwiegend erwachsenen Besucher im vollen Haus mit viel Beifall. Graham, ein Henze-Schüler, begegnet dem ernsten Stoff behutsam, mit oft ganz reduzierter Musik. Das Begleitquartett vom Bach-Verein Köln (Klavier, Cello, Schlagzeug, Akkordeon) unterlegt das Spiel oft auch nur mit Einzeltönen und leisem Geräusch.

 

Viel Raum aber bekommt Musik jener Zeit, Kinder-, Volkslieder, hebräischer Gesang. Graham zitiert mehrfach Hans Krasas harmlose Kinderoper „Brundibar“. Sie wurde in Theresienstadt 1943/44 oft gespielt. Sie lenkte die Mädchen ab von Angst, Not und Heimweh, sie gab Freude. Daran erinnert nun Graham, er schrieb im Kern eine „Oper über Oper“. Am Rande schauen zwei alte Frauen zu (Ingrid Schmithüsen, Kerstin Baldauf). Sie denken an ihre Zeit im Lager zurück und greifen manchmal ins Spiel ein. Trotz solcher altbewährten dramaturgischen Techniken bleibt das vom Landesmusikrat NRW unterstützte Projekt problematisch. Zu viele Ziele lasten darauf: Der ungeheuerliche Stoff sperrt sich gegen Spiel und Gesang. Neuhoff hat seit den ersten Proben nachgebessert; so mussten jetzt wenigstens keine Schüler mehr grölende Nazis spielen. Dass aber nun ausgerechnet der SS-Mann den lautesten Beifall bekam, lag wohl daran, dass der Darsteller Oliver Müllenbach als Musiklehrer beliebt ist. Auch pädagogisch-didaktische Aufgaben waren anvisiert: Die Oper soll Anschauung bieten für den Schulunterricht über die NS-Zeit, und sie soll zugleich sensibel machen für Rechtsradikalismus und Ausgrenzung heute. Außerdem sollen hier Opernanfänger anderen Kindern ab zwölf Jahren Lust machen, die eigene Kreativität zu entfalten. Das aber schaffen Anfänger kaum. Wer Jugend zur Spielart Oper locken will, braucht vielmehr allerbeste Kräfte. Das gilt sicher umso mehr bei solchen opernfernen Stoffen.

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